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Vollautomatisch mehr Zeit

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 2/2019

Immer mehr Proben muss das Zentrallabor des Universitätsklinikums St. Pölten analysieren. Bei der Bewältigung dieses Aufkommens hilft die Vollautomation mit Systemen von Sysmex

7,7 Millionen Analysen pro Jahr, also mehr als 20.000 pro Tag: Das ist das Pensum der etwa 40 Mitarbeiter – darunter drei Ärzte und drei Naturwissenschaftler – des Zentrallabors des UK St. Pölten. Während in vielen anderen Kliniken Spezialbereiche häufi g auch ausgelagert werden, deckt das Zentrallabor unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Willheim sämtliche diagnostischen Bereiche der Klinik ab und analysiert zusätzlich Proben von externen Einsendern. „Die analytischen Möglichkeiten in der Labordiagnostik werden immer besser. Aber die Anforderungen steigen natürlich auch extrem“, sagt der Abteilungsleiter über die aktuellen Entwicklungen seines Arbeitsbereichs. „Das wachsende Probenaufkommen ist praktisch nur mit vollautomatisierten Systemen zu schaffen“, so Prof. Willheim.

Die XN-Strasse in der Hämatologie

In der Abteilung für Hämatologie, in der pro Tag mittlerweile rund 600 bis 800 Blutproben analysiert werden, sind im Schnitt drei Mitarbeiter im Einsatz. Im Juni des vergangenen Jahres hat sich das Zentrallabor für einen Gerätegenerationswechsel entschieden und ist von der XE-Serie auf die XN-Serie umgestiegen. Mit dieser lässt sich der komplette Hämatologie-Workflow von der Zellzählung über die Erstellung und Anfärbung der Blutausstriche bis hin zur morphologischen Auswertung durchgehend automatisieren. „Die Umstellung hat sehr gut funktioniert. Wir sind jetzt dabei, weitere Feinheiten zu optimieren, um unsere Abläufe noch effi zienter zu gestalten.“

Damit der erste Durchlauf mit möglichst wenig Personalaufwand stattfinden kann, werden die Proben über das Rack Builder-Modul bereits automatisiert auf die Straße gebracht. Dann entscheiden Algorithmen der Analysenstraße, bei welchen Proben ein manuelles Diff erenzialblutbild benötigt wird. „Die Abläufe an den Geräten sind wirklich äußerst problemlos, effi zient und schnell. Die Analyse mit dem Mikroskop ist hingegen sehr aufwendig“, erklärt Prof. Willheim. Das Anfertigen der Ausstriche per Hand würde Expertise und Zeit erfordern – bis zu zehn Minuten dauert es, um einen einzigen zu erstellen. Bei der mikroskopischen Untersuchung wird das Laborteam vom automatischen Bildanalysesystem DI-60 unterstützt, das Bildaufnahmen sowie Vorklassifi zierungen der Zellen übernimmt. „Vor allem bei Panzytopenien, bei denen die Suche von Zellen auf den Ausstrichen sehr zeitaufwendig ist, da es sich um ganz wenige Zellen handelt, ist dies eine große Erleichterung“, so Prof. Willheim. Nachdem der Ausstrich vom Laborpersonal ausgewertet wurde, folgt die ärztliche Validierung. Im Ergebnis wäre für jede manuelle Analyse der Einsatz mehrerer Mitarbeiter erforderlich, was bei hohem Probenaufkommen eine große Belastung bedeuten würde. Die Anzahl der Ausstriche zu reduzieren ist deshalb erklärtes Ziel: „Eine Zeitersparnis ist wichtig, weil sich über die Routinediagnostik hinaus häufig komplexe Fragestellungen ergeben, die eine genaue Betrachtung durch das Laborpersonal erfordern“, sagt Prof. Willheim. Das im System integrierte XN-Software-Konzept ist skalierbar und kann den Bedürfnissen flexibel angepasst werden. „Nachdem die Umstellung auf das neue System schon gut geklappt hat, ist dies jetzt der nächste Schritt, den wir angehen wollen“, so der Abteilungsleiter.

Prof. Dr. Martin Willhelm
Prim. Assoc. Prof. Univ.-Doz. Dr. Martin Willheim ist seit Februar Abteilungsleiter des Zentrallabors im UK St. Pölten. Von der Immunologie fasziniert, arbeitete er bereits während seines Studiums an der MedUni Wien im damaligen Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie. Durch sein Interesse an der Durchflusszytometrie kam er mit dem Zentrallabor in Kontakt, entschied sich für eine Ausbildung in der Labormedizin sowie für eine weitere in Pathophysiologie. In den vergangenen zehn Jahren war Prof. Willheim im Zentrallabor des Wiener Wilhelminenspitals tätig.

Vollautomatische Urinanalytik

Im Bereich der Urinanalytik setzt das UK St. Pölten ebenfalls auf Vollautomation und nutzt dafür seit eineinhalb Jahren das Teststreifensystem UC-3500, den Urindurchflusszytometer UF-4000 sowie das Teststreifensystem UC-1000 als Back-up. Mit diesen Geräten werden jährlich rund 18.000 Urinteststreifen und 9000 Proben auf Urinpartikel hin untersucht – bei der Hälfte davon handelt es sich um Sedimente. „Genau wie in der Hämatologie ist Automation in der Urinanalytik zwingend erforderlich, um die wachsende Probenanzahl mit dem vorhandenen Personal bewältigen zu können“, sagt Prof. Willheim. „Wir sind gerade dabei, unsere Erkenntnisse aus der täglichen Arbeit so in das System zu implementieren, dass die U-WAM Software viele Befunde selbstständig stellen kann. “ Dies gelingt über Erfahrungswerte aus der automatisierten sowie aus der mikroskopischen Harnanalyse. „Wir können das, was mikroskopisch an Zusatzinformationen kommt, in die U-WAM einarbeiten“, beschreibt Prof. Willheim die Agilität der Software. Ein weiterer Vorteil der U-WAM Software ist, dass mit ihr bei der Validierung der Systemwechsel zur Labor-EDV entfällt. „Die Mikroskopie ist in den Arbeitsablauf der U-WAM integriert, und darüber wird dann auch der Gesamtbefund in die Labor-EDV eingespielt. Das ist für den effi zienten Ablauf schon ein sehr wichtiger Faktor.“

Digital ist schneller

Die Digitalisierung nennt Prof. Willheim im Umgang mit dem wachsenden Arbeitspensum eine große Chance: „St. Pölten ist sehr gut vorbereitet. Als ich im Februar die Abteilung übernahm, erwarteten mich ein komplett neu ausgestattetes Labor und ein sehr gutes Team, das die Herausforderung im Umgang mit der neuen Technik problemlos bewältigt hat. Aber darauf dürfen wir uns hier keine Sekunde ausruhen. Wir müssen am Ball bleiben.“ Prof. Willheim plant, weitere Parameter sowie methodische Aspekte in die automatisierte Routinediagnostik zu implementieren. Denn einer der Gründe für die rasante Entwicklung in Laboren ist eine stetig wachsende Anzahl diagnostischer Marker. Diese zu überblicken und zu implementieren wird in Zukunft immer mehr Aufgabe des Labors sein, erklärt Prof. Willheim: „Gute Laboranalyse-Systeme zeichnet daher aus, dass über die Implementierung eine Möglichkeit für Kliniker besteht, das auszuwählen, was vor Ort wirklich notwendig ist.“


Mehr Kontakt zu Klinikern Prof. Willheim plant, die Zusammenarbeit zwischen dem Zentrallabor und Klinikern weiter auszubauen. Für Labormediziner geht es in dem Zusammenhang vor allem darum zu erfahren, welche Fragestellungen den Klinikern im Zusammenhang mit den Patienten, von denen die Proben kommen, wichtig sind: „Mir fällt auf, dass die Kliniker ähnlich gefordert sind wie wir im Laborbereich. Deshalb ist es wichtig, sich gegenseitig mehr zu unterstützen“, sagt Prof. Willheim. Das kann gelingen, indem Kliniker dem Labor eine Indikation nennen, auf deren Grundlage dann die Proben mittels einer Stufendiagnostik analysiert werden. „Das ist im Bereich der Thrombophilie bei uns bereits sehr gut etabliert und etwas, das ich mir im Bereich der Anämieabklärung zum Beispiel auch sehr gut vorstellen kann“, so Prof. Willheim.

Mithilfe der Fragestellung des Klinikers könnten viele Ergebnisse rasch beurteilt und notwendige weitere Laboruntersuchungen angeschlossen werden, die dann in einen Gesamtbefund einfließen. Damit dies trotz Zeitdruck auf beiden Seiten gelingen kann, müssen aber zunächst die Kommunikationswege ausgebaut werden, sagt Prof. Willheim: „Mein Ziel wäre, wann immer es möglich ist, nicht nur einzelne Werte an Kliniker zu übermitteln, sondern tatsächlich eine Bewertung, eine Interpretation durchzuführen und wenn möglich auch eine Integration der verschiedenen Parameter.“

Summary

  • Im Zentrallobor des UK St. Pölten erstellen 40 Mitarbeiter täglich Befunde aus etwa 20.000 Einzel-Analysen
  • Mit der XN-Straße lässt sich der gesamte Hämatologie-Workflow durchgehend automatisieren
  • Die konfigurierbare Software U-WAM reduziert in der Urinanalyse ma nuelles Befunden auf ein
    notwendiges Minimum

 

Text: Verena Fischer
Fotoquelle: Stefan Hobmaier

 

 

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