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Das „Sonnenhormon“

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2018

Vitamin-D-Mangel ist in nördlichen Breiten epidemisch. Nicht nur unser Wetter, sondern auch unser Lebensstil ist mit daran schuld

Unsere Eltern und Großeltern haben in ihrer Kindheit meist noch täglich einen Löffel Lebertran verabreicht bekommen. Das unbeliebte Fischleber-Öl ist eines der wenigen Nahrungsmittel, die das lebenswichtige Vitamin D in großen Mengen enthält. Es wurde bei Kindern vor allem zur Prävention von Rachitis, einer gestörten Mineralisation der Knochen, eingesetzt. Heute ist es gänzlich aus der Mode gekommen – zum Bedauern der Gesundheitsbehörden und medizinischen Fachgesellschaften.

Inzwischen ist Vitamin-D-Mangel ein epidemisches Problem, das viele Krankheitsbilder beeinflusst. Die sogenannte ESTHER-Studie zum Thema Vitamin-D-Mangel und Sterberate des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Zusammenarbeit mit dem Epidemiologischen Krebsregister Saarland zeigt, dass im europäischen Winter fast jeder Fünfte gesundheitlich bedenklich niedrige Vitamin-D-Werte hat.

Verantwortlich dafür ist in erster Linie der häufig bedeckte Himmel in den nördlichen Landern. Vitamin D kann der Körper nur bilden, wenn ausreichend UV-B-Strahlung die Haut erreicht. Das war bereits für unsere Vorfahren schwierig, obwohl viele von ihnen die meiste Zeit des Tages im Freien verbrachten. Heute verschärft unser moderner Lebensstil, bei dem sich sogar Kinder überwiegend in geschlossenen Raumen aufhalten, die von Natur aus gegebene Mangelsituation.

Dazu kommt, dass immer mehr Menschen – zum Teil aus berechtigter Sorge um ein erhöhtes Hautkrebsrisiko – direktes Sonnenlicht möglichst vermeiden oder sich ihm nur noch unter dem Schutz von starken Sunblockern aussetzen. So abgeschirmt gelingt es inzwischen großen Teilen der Bevölkerung selbst im Sommer nicht mehr, ihr Vitamin-D-Defizit auszugleichen.

Besonders problematisch wirkt sich Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft aus. Vitamin D wirkt immunmodulatorisch sowie antiinflammatorisch und unterstützt den Aufbau antibakterieller Proteine. Es schützt vor Infektionen, Frühgeburten und Wachstumsstörungen sowie Muskelschwächen beim Ungeborenen. Schwangere Frauen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel haben außerdem ein erhöhtes Risiko für eine Praeklampsie oder venose Thromboembolie.

Nicht nur Knochen, auch die Muskulatur profitiert von Vitamin D, das einen positiven Effekt auf den Stoffwechsel der Muskelzellen hat. Dauerhafter Vitamin-D-Mangel befördert chronische Entzündungszustande und kann unter anderem Infektionen, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, kardiovaskulare Beschwerden und Krebs begünstigen.

Wie wichtig das „Sonnenhormon“ für die allgemeine Gesundheit ist, zeigen auch epidemiologische Langzeituntersuchungen etwa mit der schwedischen MISS-Kohorte. Hierbei wurde die Gesundheit von Sonnenanbetern mit der von Menschen verglichen, die sich nur selten dem Sonnenlicht aussetzen. Von 29.518 Teilnehmern verstarben im Verlauf der Beobachtungszeit doppelt so viele Sonnenvermeider wie Sonnenfreunde an Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Ergebnisse zeigten sich unabhängig von anderen relevanten Faktoren wie weiteren Erkrankungen, Einkommen, Bildung, Alter oder Lebensgewohnheiten.

Obwohl die Sonnenanbeter ein erhöhtes Hautkrebsrisiko hatten, war ihre Prognose bei schwarzem Hautkrebs deutlich günstiger als bei Sonnenvermeidern mit derselben Erkrankung. Denn bei Sonnenvermeidern wurden die Melanome – vermutlich bedingt durch ein durch Vitamin-D-Mangel geschwächtes Immunsystem – dicker und aggressiver. In der MISS-Kohorte starb jeder dritte Sonnenvermeider mit schwarzem Hautkrebs, aber nur jeder zehnte Sonnenanbeter.

Trotz vieler belegter gesundheitsfordernder Effekte von Vitamin D gelingt es nicht immer, den Nutzen von Vitamin-D-Therapien in klinischen Studien eindeutig nachzuweisen. Das konnte daran liegen, dass in Studien nur selten Veränderungen in Bezug auf den individuellen Vitamin-Status der Teilnehmer erhoben und ausgewertet werden. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Vitamin-D-Gaben. Ursachlich dafür können genetische Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels bis hin zu Vitamin-D-Resistenz, Aufnahmestörungen im Darm oder einem krankheitsbedingt stark erhöhten Verbrauch sein.

Deutliche Effekte wie eine erhöhte Mortalität sei nur bei kritisch niedrigen Vitamin- D-Ausgangswerten zu erwarten, so Vitamin-D-Forscher Prof. Stefan Pilz von der Universitat Graz. Zudem werde in Studien Vitamin D oft hoher dosiert verabreicht als empfohlen, was sich ebenfalls negativ auf die Resultate auswirken könne. Kaum Beachtung findet bisher in Studien, dass Vitamin D in isolierter Darreichungsform weniger gut wirkt als in synergistischer Kombination, etwa mit Vitamin K, Magnesium, Kalzium, Riboflavin oder anderen Mikronährstoffen und Fetten.

Summary

  • Vitamin D, das der Körper mithilfe von UV-B-Strahlen selbst produziert, schützt vor vielen Krankheiten.
  • Sonnenvermeider mit Vitamin-D-Mangel sterben schneller an Hautkrebs als Sonnenanbeter. 

HINTERGRUND

Quantitative Vitamin-D Bestimmung

Der einstufige, immunchromatografische Vitality Health Check (VHC) von Hitado kann einfach und schnell den aktuellen Vitamin-D-Status eines Patienten ermitteln. Er dient der quantitativen Bestimmung vom gesamten 25-Hydroxy-Vitamin D im Vollblut oder im Serum. Dabei wird die Testkassette mit dem speziell entwickelten VHC-Reader kombiniert, der nach dem Auftragen des Probenmaterials bereits nach 15 Minuten das Ergebnis ausliest. Seine Sensitivität und Spezifität hat der Test im Vergleich zum LC-MS/MS-Assay mit einem Korrelationskoeffizienten von 98 Prozent bewiesen und ist somit die ideale Unterstützung bei der initialen Diagnostik einer möglichen Vitamin-D-Defizienz und ihrem Monitoring.

Geräte- und Testeigenschaften:

  • Quantitative Bestimmung des gesamten 25-Hydroxy-Vitamin D
  • Genaue und verlässliche Messergebnisse
  • Detektionsbereich: 3 ng/ml (7,5 nmol/l) bis 100 ng/ml (250 nmol/l)
  • Nur 10 μl Kapillarblut aus der Fingerbeere nötig
  • Messergebnis nach 15 Minuten verfügbar

 

Weitere Informationen zum Vitamin-D-Test finden Sie hier: VHC Vitamin-D Reader

Text Dr. Ina Schicker

Fotoquelle: Shutterstock, Hitado

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