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Ein Hauch von "Top Gun"

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2019

In Dübendorf, einer kleinen Stadt in der Metropolregion Zürich, liegt die Geburtsstätte der Schweizer Luftwaffe. Unweit des geschichtsträchtigen Flugplatzes beginnen noch heute die Karrieren der Angehörigen der Schweizer Luftstreitkräfte – im Fliegerärztlichen Institut mit Diagnostik von Sysmex

Trainiert wird auch in der Luft: Oberst Andres Kunz vor einem Flugzeug des Schweizer Herstellers Pilatus

Etwas verschlafen hinter Stacheldraht liegt der Flugplatz Dübendorf, 1914 wurde er als erster Luftwaffenstützpunkt der Schweiz errichtet. Heute erinnert hier wenig an den 1980er-Jahre-Actionfilm „Top Gun“, in dem Tom Cruise alias Pete ,Maverick‘ Mitchell sich seine Sporen als Kampfjet-Pilot verdient. Kampfjets landen in Dübendorf schon lange nicht mehr. 2016 war der letzte zu Gast und wurde als Leihgabe der Schweizer Luftwaffe ins nahe gelegene Flieger-Flab-Museum übergeben. Heute starten in Dübendorf vor allem Helikopter und Propellermaschinen.
Und doch hat Dübendorf eine zentrale Bedeutung: Wer in der Schweiz bei der Luftwaffe arbeiten will, kommt am Fliegerärztlichen Institut in der Bettlistraße nicht vorbei und wird hier auf Herz, Nieren und seine sonstige Tauglichkeit geprüft.

Das Gebäude liegt keine zweihundert Meter Luftlinie vom berühmten Flugplatz entfernt. Geschäftig gehen Menschen in ziviler und militärischer Kleidung ein und aus, die Atmosphäre ist offen und freundlich. „Unsere Aufgaben sind vielfältig, wir haben militärische ebenso wie zivile und betreiben auch Forschung“, erklärt Chefarzt Oberst Andres Kunz, Kommandant des Fliegerärztlichen Instituts (FAI). Das FAI wurde 1924 als „Militärpsychologische Prüfstelle“ mit dem Ziel gegründet, Flugunfälle mit verbesserter Pilotenauswahl zu verhindern, und ist heute eine fachärztliche Institution des Bundes auf den Gebieten der Flugmedizin und der Flugpsychologie.

Oberst Kunz (M.) bespricht einen Trainingsflug mit Luftwaffenangehörigen

Belastbarkeit des menschlichen Körpers
„Unsere Aufgabe ist zunächst die Eignungsabklärung und Selektion von allen fliegenden und springenden zukünftigen Angehörigen der Armee, auch Bordoperateuren, spezialisierten Mechanikern und Mitgliedern des Kommandos Sonderkräfte“, erklärt der charismatische Arzt. Bis zu 80 Prozent der Bewerber bestehen diese erste grundlegende Prüfung. Wer es in die Luftwaffe schafft, bleibt Patient des FAI. „Wir sind auch für die regelmäßigen Tauglichkeitsüberprüfungen verantwortlich, die bis zum vierzigsten Lebensjahr jährlich und danach halbjährlich notwendig sind.“ Die gleiche Aufgabe erfüllt das FAI auch als Aeromedical-Center: Nach den Vorgaben der europäischen Agency für Flugsicherheit werden ebenfalls zivile Crews und Piloten beurteilt.
Personen, die im Flugbetrieb arbeiten, sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Normalerweise bewegen sich Menschen in zwei Dimensionen. In der Aviatik gibt es zusätzlich Bewegungen nach unten und oben, was besondere Anforderungen an die Sinnesorgane stellt. „Hinzu kommt, dass man auf der Straße maximal 1 G Querbeschleunigung erreicht, während in der Militäraviatik um ein Vielfaches größere körperliche Belastungen auftreten.“ Kampfjetpiloten sind während einer Luftkampfübung etwa der sieben- bis neunfachen Erdbeschleunigung ausgesetzt, werden also im Maximum mit dem Neunfachen ihres Körpergewichts in den Sitz gedrückt. „In dem Moment ist die Wirbelsäule, im Speziellen die Halswirbelsäule und die Nackenmuskulatur, stark belastet und das Herz-Kreislauf-System gefordert.“ Die extreme Beschleunigung bewirkt, dass das Blut in die Beine gedrückt wird und nicht mehr in den Kopf zurück gelangt. „Ein Untrainierter wird in der Regel bewusstlos“, so Kunz.

Die Angehörigen der Schweizer Luftwaffe absolvieren einen Hörtest und eine Röntgenuntersuchung.
Rechts: Praxiskoordinatorin Nicole Elsasser

Einzige Unterdruckkammer der Schweiz
Um die Piloten auf eine weitere Herausforderung ihres Berufsalltags vorzubereiten, steht im Keller des Instituts eine Unterdruckkammer, die einzige in der Schweiz. Sie wird betrieben mit vier Turbinen und dient dem Training von Extremsituationen, wie sie in Kampfjets durchaus vorkommen können. Fällt die Sauerstoffversorgung im Jet plötzlich aus, etwa durch einen defekten Sauerstoffgenerator, wird die Situation unmittelbar gefährlich. „Am Ende ist es der gut trainierte Pilot, der den Sauerstoffmangel rechtzeitig erkennt und im günstigen Fall dadurch eine Katastrophe verhindern kann“, weiß Oberst Kunz. „In der Unterdruckkammer können wir eine Steigleistung von 80 bis 90 Meter pro Sekunde und Gipfelhöhen bis zu 20.000 Meter simulieren, damit die Piloten die Symptome in dieser Grenzsituation an sich kennenlernen und darauf sensibilisiert werden.“
Als akkreditiertes Institut verfügt das FAI über ein voll ausgestattetes Labor, in dem die körperliche Grundvoraussetzung für fliegerische Aufgaben geprüft wird. Hier werden neben der Hämatologie auch Entzündungsparameter, Leber- und Nierenwerte, Pankreasenzyme, Cholesterinwerte, Lipide, Harnsäure, selbstverständlich Glukose sowie je nach Vorgeschichte und Konstitution auch der Diabetes-Parameter HbA1C überprüft.

Dabei kommt unter anderem das automatische Hämatologie-Analysesystem XP-300 von Sysmex zum Einsatz. „Seit 2012 arbeiten wir mit dem Gerät. Es ist sehr zuverlässig, einfach in der Bedienung und liefert qualitativ sehr gute Ergebnisse“, betont Praxiskoordinatorin Nicole Elsasser.

Oben ist kein Zwischenhalt möglich
Die regelmäßigen Check-ups dienen unter anderem der Vorsorge vor einer sogenannten „sudden incapacitation“, einem plötzlichen Funktionsverlust, hervorgerufen von einem Herzinfarkt, epileptischen Anfall oder Aneurysma. „Wird es einem plötzlich schwarz vor Augen, kann man nicht einfach am Straßenrand haltmachen“, erklärt Kunz. „Doch auch wenn jemand von Kopf bis Fuß untersucht wird, hundertprozentig ausschließen kann man so ein Ereignis nicht.“
Im Visier der Ärzte stehen während der Eignungstests und bei den regelmäßigen Check-ups deswegen auch die schleichenden Phänomene – Anämie etwa, Nieren- oder Gallensteine, Hepatitis oder auch Vitamin-D-Mangel bei länger dauernden Nachtflugtrainings.
„Nicht nur eine gute Gesundheit ist Grundvoraussetzung zum Fliegen“, bekräftigt Kunz, „auch die Fähigkeit, einander zu vertrauen.“ In seiner langjährigen Arbeit habe er das immer wieder erlebt. „Wenn ich selbst in einen Militärjet einsteige, überlege ich keine Sekunde, ob der Pilot das kann oder nicht. Und wenn andererseits der Pilot zu mir kommt und das Verhalten bei Sauerstoffmangel trainiert, hat er wiederum die Gewissheit, dass ich den Moment nicht verpassen werde, ihm die Luft zum Atmen wiederzugeben.“

Vor der Tür des Chefarztes wartet ein durchtrainierter Mann im Overall, bereit für den Check-up. Andres Kunz muss weiterarbeiten: „Dort oben müssen Kopf und Herz funktionieren, denn wenn du eines davon verlierst, dann bist du tot.“ Ein Satz, den auch Tom Cruise alias „Maverick“ nicht hätte treffender sagen können.

„Angesichts der extremen Beschleunigung während einer Luftkampfübung wird ein Untrainierter in der Regel bewusstlos“

Chefarzt Oberst Andres Kunz

Blutuntersuchungen:
Nicole Elsasser am Hämatologie-Analysesystem XP-300 von Sysmex

Summary

  • Im Fliegerärztlichen Institut im Schweizer Dübendorf wird die medizinische Eignung der Angehörigen der Schweizer Luftwaffe überwacht
  • Die immensen Kräfte, die in einem Kampfjet auf den Piloten wirken, stellen besondere Anforderungen an die gesundheitliche Verfassung der Soldaten
  • Bei der Untersuchung kommt unter anderem das Hämatologie-Analysegerät XP-300 von Sysmex zum Einsatz, das mit seiner einfachen Bedienbarkeit überzeugt.

 

Text Staphan Wilk, Isabell Spilker
Bildquelle: Thomas Eugster

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