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Neue Wege in der Harnanalytik

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 2/2019

Seit Beginn des Jahres arbeitet das Labor des LKH Hochsteiermark mit der UN-Serie. Welche Chancen sich dadurch für die Klinik ergeben, erklärt der Institutsleiter Prim. Priv.-Doz. Dr. Dietmar Enko, LL.M., MBA

Der UC-3500 ermöglicht ein schnelles Screening der Proben. Die Software-Lösung U-WAM entscheidet vollautomatisch, welche Proben einer Partikelanalyse durch den UF unterzogen werden müssen. Diese ist mit 27 Parametern sehr umfangreich, deckt alle pathologischen Partikeltypen ab und diff erenziert jene, die von Bedeutung sind

Herr Prim. Enko, was hat Sie zur Labormedizin geführt?

Ehrlich gesagt, der reine Zufall. Ich habe als Facharzt für Allgemeinmedizin begonnen, und es war mir für den Einstieg in die Diagnostik sehr wichtig, einen Einblick in sämtliche Bereiche der Medizin zu bekommen. Erste Kontakte zur Labormedizin weckten mein Interesse schnell und ich ließ mich hier in Leoben dafür zum Facharzt ausbilden. In Linz absolvierte ich anschließend noch eine weitere Ausbildung in der Transfusionsmedizin und wurde dann 2013 in Steyr Oberarzt. Durch meine damalige Vorgesetzte Univ. Prof. Prim. Dr. Gabriele Baumann, MSc, MBA, ergaben sich wissenschaftliche Kooperationen mit der Universtität Graz, die bis heute bestehen. Vor allem die Routinediagnostik lässt sich sehr gut mit wissenschaftlichen Fragestellungen verbinden, zum Beispiel bei Evaluierungen. Das ist etwas, was mich an der Labormedizin fasziniert.

Wie lange arbeiten Sie schon mit Technologien von Sysmex?

Ich habe das Unternehmen bereits vor mehr als zehn Jahren während meiner Ausbildung in Leoben als Partner für die Hämatologie kennengelernt. Und in der Blutzentrale in Linz, zu der ich später kam, gab es ebenfalls eine Ausstattung von Sysmex. Seit Beginn des Jahres 2019 arbeiten wir hier nun in der Harn analytik mit der UN-Serie. Das Komplettsystem habe ich auf der labormedizinischen Tagung in Salzburg erstmals erlebt.

Und dann haben Sie sich direkt für die UN-Serie entschieden?

Dazu kam es erst nach einer Evaluierungsphase von ungefähr 500 Arbeitsstunden. Das Laborteam hat in der Zeit die UN-Serie sowie ein weiteres Gerät getestet und die Ergebnisse mit mikroskopischen Auswertungen verglichen. Dabei haben uns die biomedizinischen Analytiker Brigitta Derler und Michael Böckl, die wir extra hierfür eingestellt haben, tatkräftig und mit Begeisterung unterstützt. Das Team hat sich anschließend für die UN-Serie entschieden. Vor allem, weil die Unterstützung von Sysmex während der Demophase sehr gut war. Das intuitive Gerätehandling war ein weiterer Grund. Überzeugt hat uns außerdem, dass wir mit dem System falsch-negative Ergebnisse
sehr gut herausfi ltern können.

Hat sich die Evaluierungsphase gelohnt?

Auf jeden Fall. Wir haben dabei viel entdeckt, was wir vorher nicht gesehen haben, zum Beispiel tubuläre Epithelzellen. Und wir haben mehrere Färbungen ausprobiert und sind nun dabei, die Ergebnisse so aufzubereiten, dass wir sie den Klinikern vermitteln können.

Welchen Stellenwert hat die Urinanalytik bei Ihnen im Labor?

Bisher noch keinen allzu großen. Bei uns werden pro Jahr im Schnitt 9000 Proben ausgewertet. Das sind etwa 30 bis 50 Untersuchungen pro Tag. Im Moment führen die Stationen noch viele Urinanalysen selbstständig auf Point-of-Care-Systemen durch. Das soll sich von nun an aber ändern. Wir wollen die Kliniker darauf aufmerksam machen, dass wir hier im Labor eine hochwertige Harndiagnostik anbieten und dadurch die Stationen entlasten können. Ich bin der Meinung, dass die Harnanalytik am Standort Leoben durch das UN-System sehr aufgewertet wird. Dadurch, dass wir im Vergleich zu niedergelassenen Ärzten einfach mehr anbieten können – und das ist auch etwas, was ich den Klinikern vermitteln möchte. Ich bin sicher, dass die Harnanalytik in den nächsten Monaten bei uns im Labor stark an Bedeutung gewinnen wird.

„Die enge Kooperation zwischen Patienten, Kliniken und Laborgeräteherstellern spielt die entscheidende Rolle für eine gelungene Diagnostik“

Prim. Dietmar Enko

Welche Chancen ergeben sich dadurch für die Klinik?

Wir können mit dem UN-System Harnerkrankungen besser abklären und Pathologien sicher befunden. Das wird vor allem für die Urologie große Vorteile bringen, weil in diesem Bereich urinanalytische Tests vor Operationen besonders stark nachgefragt sind. Hier können wir als Klinik von nun an eine umfangreichere diagnostische Abklärung anbieten als niedergelassene Ärzte und die Tests direkt bei uns durchführen.

Was glauben Sie, wie sich Labore zukünftig verändern werden?

Die Diagnostik entwickelt sich insgesamt in Richtung einer personalisierten Medizin. Ich bin überzeugt, dass der persönliche Kontakt zum Kunden, aber auch zum Patienten an Bedeutung gewinnen wird und sich Technologien zunehmend an die Bedürfnisse der Patienten anpassen werden. Meiner Meinung nach spielt eine enge Kooperation zwischen Patienten, Kunden und Laborgeräteherstellern die entscheidende Rolle für eine gute Diagnostik.

Summary

  • Seit Beginn des Jahres führt das Labor des LKH Hochsteiermark am Standort in Leoben harnanalytische Untersuchungen vollautomatisch mit der UN-Serie durch
  • Dem Laborteam gefällt das intuitive Gerätehandling sowie die Möglichkeit, falsch-negative Ergebnisse problemlos herausfiltern zu können

 

Text: Verena Fischer
Fotoquelle: Mathias Rambauske

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