Entzündliche Reaktion nach Subarachnoidalblutung

Erreger:Keine
Ursache:Meist Ruptur eines Hirnaneurysmas
Geographische Verbreitung:Weltweit, vorwiegend in wohlhabenden Ländern
Häufigkeit:Rund 100.000 Millionen Infektionen im Jahr

Fallgeschichte

Bei einer 57-jährigen Frau traten plötzlich starke Kopfschmerzen auf. Sie war außerdem desorientiert und hatte eine gewisse Nackensteife. Daher suchte sie die Notaufnahme auf. Aufgrund ihrer Symptome vermutete der Arzt, dass die Frau eine lebensbedrohende Subarachnoidalblutung (SAB) erlitten hatte, und ordnete sofort eine Computertomographie (CT) an. Die Ergebnisse des CT-Scans waren negativ, aber der Neuroradiologe hatte dennoch den dringenden Verdacht, dass vor kurzem eine Blutung im Gehirn aufgetreten war. Deshalb wurde eine Lumbalpunktion durchgeführt und Cerebrospinalflüssigkeit (CSF) an das Labor gesandt, um zu untersuchen, ob eine Subarachnoidalblutung vorlag.

Subarachnoidalblutung: Pathophysiologie und Diagnostik

Eine Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine Einblutung in den Subarachnoidalraum – den Bereich zwischen der Arachnoidea und der das Gehirn umgebenden Pia mater. In den meisten Fällen tritt eine SAB spontan aufgrund eines rupturierten zerebralen Aneurysmas auf. Hierbei handelt es sich um eine ausgedehnte Wandschwäche einer der Hirnarterien. Sie ist normalerweise im Circulus arteriosus cerebri und seinen Zweigen lokalisiert. Die SAB kann auch durch eine Kopfverletzung, arteriovenöse Malformationen, Störungen der Blutgefäße in der Wirbelsäule und eine durch verschiedene Tumoren hervorgerufene Blutung verursacht werden (1). Die SAB kann außerdem durch Kokainmissbrauch, Sichelzellenanämie und (selten) Probleme mit der Blutgerinnung aufgrund einer Antikoagulanzientherapie ausgelöst werden.

Etwa 10 % der mit Donnerschlag-Kopfschmerzen (d. h. starken, plötzlich einsetzenden Kopfschmerzen) in die Notaufnahme eingelieferten Patienten haben eine SAB erlitten. Als weitere mögliche Ursachen werden Meningitis, Migräne, cerebral-venöse Sinusthrombose und intrazerebrale Hämorrhagie für die Differenzialdiagnose berücksichtigt (2). Bei einer Fehldiagnose wird ein CT-Scan u. U. erst mit Verzögerung durchgeführt, was ein schlechteres Ergebnis zur Folge haben kann (3). In einigen Fällen verschwinden die Kopfschmerzen von selbst, und es sind keine anderen Symptome vorhanden. Diese Art von Kopfschmerzen werden als Warnkopfschmerzen bezeichnet, weil sie vermutlich durch ein kleines „warnendes“ Leck eines Aneurysmas hervorgerufen werden. Bei Warnkopfschmerzen sind weitere korrekte Untersuchungen mit einem CT-Scan und einer Lumbalpunktion erforderlich, da in den folgenden Wochen weitere Blutungen auftreten können (4).

Die Diagnose einer Subarachnoidalblutung ergibt sich im Regelfall aus einem dringenden klinischen Verdacht in Kombination mit einer Bestätigung (CT-Scan ohne Kontrastmittel). CT-Scans sind in den ersten sechs Stunden nach dem Eintreten der Blutung sehr empfindlich (nahezu 100 %). Die Empfindlichkeit nimmt im Zeitverlauf jedoch ab: Die Empfindlichkeit beträgt 93 % innerhalb von 24 Stunden nach dem Beginn, 80 % nach 3 Tagen und 50 % nach einer Woche (5). Bei Personen mit vermuteter SAB und negativen CT-Scans wird eine Lumbalpunktion mit anschließender Analyse der Cerebrospinalflüssigkeit im Allgemeinen als zwingend betrachtet (1). Zwar deutet eine erhöhte Erythrozytenzahl in der CSF auf eine Subarachnoidalblutung hin, aber als Ursache muss eine Schädigung eines kleinen Blutgefäßes während der Lumbalpunktion (bekannt als „traumatische Punktion“) ausgeschlossen werden. Die CSF-Probe wird häufig auf Xanthochromie untersucht – die Gelbfärbung der zentrifugierten Flüssigkeit, die durch Spektralphotometrie festgestellt wird. Xanthochromie bleibt eine zuverlässige Methode, ältere SAB-Ereignisse auch mehrere Tage nach dem Einsetzen der Kopfschmerzen festzustellen.

Laborergebnisse

 

Fallinterpretation

Der hochsensitive XN-Untersuchungsmodus für CSF ergab eine schwere Leukozytose (870 Leukozyten/µl) im WDF-Scattergramm mit hoher relativen Anzahl von Neutrophilen (NEUT = 87,2 %) und Monozyten (MONO = 6,0 %). Das WDF-Scattergramm zeigte außerdem hohe Zellzählungen in den Bereichen, in denen aktivierte Monozyten und verschiedene Makrophagen nachgewiesen wurden, sofern vorhanden (gelb).

Neben der sehr hohen Leukozytenzahl in dieser CSF-Probe deutete die Erythrozytenzahl aus dem RET-Scattergramm auf einen eindeutig pathologischen Wert hin (Erythrozyten = 362.300/µL). Eine hohe Erythrozytenzahl in der CSF kann durch eine Hämorraghie oder durch Erythrozytenkontamination aufgrund einer traumatischen Punktion hervorgerufen werden. Häufig ist es schwierig, ohne weitere Untersuchung der CSF, z. B. durch Nachweis einer Xanthochromie oder Messungen des Ferritinspiegels, zwischen diesen beiden möglichen Ursachen zu unterscheiden. Im Falle dieser 57-jährigen Frau wies die Kombination einer hohen Erythrozytenzahl mit der hohen Anzahl aktivierter Monozyten (Erythrophagen und Siderophagen) im WDF-Kanal eindeutig auf eine Hämorrhagie älteren Ursprungs hin. Daher konnte eine traumatische Punktion als mögliche Ursache der hohen Erythrozytenzahl in dieser Probe ausgeschlossen werden. Die Diagnose einer Subarachnoidalblutung wurde anschließend durch die morphologische Überprüfung eines Cytospin-Ausstrichs bestätigt, in dem sowohl Erythrophagen als auch Siderophagen vorhanden waren. Der spektralphotometrische Nachweis einer Xanthochromie in der zellfreien Fraktion der CSF erbrachte die weitere Bestätigung.

Literatur

  1. van Gijn J, Kerr RS, Rinkel GJ (2007): Subarachnoid haemorrhage. Lancet. Jan 27;369(9558):306-18.
  2. Longmore M, Wilkinson I, Turmezei T, Cheung CK (2007): Oxford Handbook of Clinical Medicine, 7. Auflage. Oxford University Press. S. 841. ISBN 0-19-856837-1.
  3. Kowalski RG, Claassen J, Kreiter KT, Bates JE, Ostapkovich ND, Connolly ES, Mayer SA (2004): Initial misdiagnosis and outcome after subarachnoid hemorrhage. JAMA. Feb 18;291(7):866-9.
  4. Suarez JI, Tarr RW, Selman WR (2006): Aneurysmal subarachnoid hemorrhage. N Engl J Med. Jan 26;354(4):387-96.
  5. Perry JJ, Stiell IG, Sivilotti ML, Bullard MJ, Emond M, Symington C, Sutherland J, Worster A, Hohl C, Lee JS, Eisenhauer MA, Mortensen M, Mackey D, Pauls M, Lesiuk H, Wells GA (2011): BMJ. Jul 18;343:d4277.

XN Technologien

Unser Glossar

Unsere Liste mit wissenschaftlichen Begriffen

Entdecken Sie das Glossar

Wallpaper 2016

Growing your knowledge
Besuchen Sie unsere Akademie
Erweitern Sie Ihr Wissen
Unser Media Center
Alle
  • Alle
  • Dokumente
  • Podcast
  • Bilder
  • Videos
Zur Übersicht
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Zur Übersicht https://www.sysmex.at/akademie/bibliothek/publikationen.html
Bleiben Sie auf dem Laufenden http://www.mysysmex.com/?id=5206&L=3
Zur Übersicht https://www.sysmex.at/akademie/bibliothek/publikationen.html
Erweitern Sie Ihr Wissen https://www.sysmex.at/akademie/bibliothek/seed.html
Erfahren Sie mehr über das Konzept https://www.sysmex.at/unternehmen/ueber-sysmex/silent-design.html
Sysmex XN – TAILORING YOUR HAEMATOLOGY Entdecken Sie die Skalierbarkeit https://www.sysmex.at/media-center/xn-tailoring-your-haematology-11739.html
Einblick in die Möglichkeiten https://www.sysmex.at/media-center/xp-300-haematology-analyzer-11740.html