Sysmex Austria
Sysmex Europe
Service
Support
Other Sites
Menu

Scientific Kalender Dezember 2018

Welchen klinischen Nutzen hat die Bestimmung der CD4-Zellzahl bei Patienten mit HIV-Infektion? Der CD4-Wert dient als eine Orientierungshilfe, um abzuschätzen, wann die antiretrovirale Therapie abgebrochen werden sollte
Der CD4-Wert wird zur Diagnosebestätigung bei opportunistischen Infektionen herangezogen
Der CD4-Wert wird bestimmt, um Menschen mit fortgeschrittener HIV-Infektion zu identifizieren, die von einer intensiveren Behandlung und Unterstützung profitieren würden – je niedriger der CD4-Wert, desto höher das Krankheits- und Mortalitätsrisiko
Der CD4-Wert wird herangezogen, um die HIV-Replikationsrate und das Transmissionsrisiko zu bestimmen

Wissenschaftliche Hintergrundinformationen

Die pathogenen Mechanismen der HIV-Infektion (Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus) sind komplex. Das HIV richtet sich primär gegen CD4-positive T-Zellen; es bindet an ihrer Oberfläche und dringt in die Zelle ein, wo es beginnt, sich zu vermehren. Die frühen Stadien der Infektion sind von einer ausgeprägten Virusreplikation gekennzeichnet, die zu einer starken Verminderung der CD4-positiven T-Zellen führt. In der Folge kommt es zu einer massiven Plasmavirämie und das Virus wird in alle lymphatischen Gewebe transportiert. Zu dem Zeitpunkt, an dem ein Patient Antikörper gegen das HIV gebildet hat und die HIV-Infektion mit herkömmlichen serologischen Tests nachgewiesen werden kann, ist die Infektion bereits weit fortgeschritten.
Der Körper produziert Milliarden von neuen CD4-positiven Zellen, um die zerstörten zu ersetzen. Unbehandelt führt eine HIV-Infektion zu einer fortschreitenden Zerstörung des Immunsystems, sodass der Körper Infektionen und andere Krankheiten nicht mehr bekämpfen kann. Das erworbene Immundefektsyndrom (AIDS) beschreibt die fortgeschritteneren Stadien der HIV-Infektion und ist durch das Auftreten von opportunistischen Infektionen oder HIV-assoziierten Tumorerkrankungen definiert.
Da die kontinuierliche virale Replikation mit einer fortschreitenden Verminderung und dem Funktionsverlust der CD4-positiven Zellen einhergeht, muss die Therapie primär darauf abzielen, in den viralen Lebenszyklus einzugreifen und diesen zu stören. Es liegen umfassende wissenschaftliche Daten vor, die belegen, dass ein wirksamer Medikamentencocktail für eine effektive Virussuppression erforderlich ist. Da HIV ein Retrovirus ist, spricht man von einer antiretroviralen Therapie (ART). Da diese Medikamente und die zur Überwachung des Therapieansprechens benötigten Tests anfänglich bei weitem zu teuer waren, um eine breite Anwendung zu rechtfertigen, war die ART ursprünglich Patienten mit fortgeschrittener Immunsuppression vorbehalten. Die World Health Organization (WHO) entwickelte umfassende Leitlinien, um zu bestimmen, welche Patienten für eine ART infrage kamen. Obgleich auch andere klinische Faktoren berücksichtigt wurden, war das primäre Kriterium der Indikationsstellung die CD4-Zellzahl, da dieser Parameter der aussagekräftigste labordiagnostische Indikator für die Immunfunktion von Patienten mit HIV-Infektion ist. Die Kombination aus sinkenden Kosten für Medikamente und Labortests (eine Folge des Ausbaus der Massenproduktion und der damit einhergehenden Skalenvorteile), einem zunehmenden, weltweiten Engagement im Kampf gegen HIV und AIDS und der damit einhergehenden Erhöhung der Mittel begründete die Umsetzung der Strategie „Test & Treat“ („Testen und behandeln“). Diese besagt, dass eine ART bei allen HIV-Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose und unabhängig vom CD4-Wert eingeleitet werden sollte. Da Assays zur Bestimmung der HIV-Viruslast (HIVVL) zudem kostengünstiger geworden und besser zugänglich sind, werden diese Tests anstelle der CD4-Zählung zur Überwachung des ART-Ansprechens vorgezogen.
Obgleich der CD4-Wert nicht länger als maßgebliches Kriterium für die Einleitung der ART gilt und der HIVVL-Assay der bevorzugte Test zur Überwachung der Virussuppression ist, bleibt die CD4-Zählung einer der wichtigsten Tests zur Verlaufskontrolle bei Patienten mit HIV-Infektion.

Wann sollte also eine CD4-Zählung durchgeführt werden und warum?

Bei Erstdiagnose der HIV-Infektion.1
Und zwar nicht, um festzustellen, ob die ART eingeleitet werden sollte, sondern um einen Ausgangswert als Bezugswert zu ermitteln, falls der Patient in der Zukunft Komplikationen entwickeln sollte (eine ART muss lebenslang eingenommen werden). Viele Patienten befinden sich zum Zeitpunkt der Diagnose zudem bereits in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium und können möglicherweise von einer Antibiotikaprophylaxe zur Vermeidung von opportunistischen Infektionen profitieren.

Bei Wiederaufnahme der ART nach einer Therapiepause.1
Um einen neuen Ausgangswert festzulegen und zu prüfen, ob die Nichteinhaltung der Therapie zu einer Krankheitsprogression geführt hat.

Wenn bei einer kranken Person der klinische Verdacht auf eine fortgeschrittene HIV-Infektion besteht.1
Eine fortgeschrittene HIV-Infektion geht mit einem hohen Mortalitätsrisiko einher. Aus diesem Grunde ist es wichtig, Betroffene zu identifizieren, damit sie von einer intensiven Behandlung und Unterstützung profitieren können.2 Die CD4-Zahlen geben zudem Hinweise darauf, ob zusätzliche Tests auf assoziierte opportunistische Infektionen (z. B. TB, Kryptokokkenmeningitis und Toxoplasmose) und entsprechende Therapien erforderlich sind.3

Bei Zeichen für ein Therapieversagen (Ansteigen der VL auf > 1.000 Kopien/ml zweimal in Folge).1,3
Bei einer fehlgeschlagenen Virussuppression besteht ein Risiko für eine Verschlimmerung der Immunsuppression infolge der Zelldepletionen von CD4-positiven T-Zellen. Bei den Betroffenen kann die Krankheit weiter fortschreiten, und es muss ein Therapiewechsel erfolgen, vorausgesetzt das Nichteinhalten der Therapie konnte als Ursache für das Therapieversagen ausgeschlossen werden.

Zur Überwachung des Therapieansprechens, wenn ein HIVVL-Assay nicht zur Verfügung steht.1
Obgleich der HIVVL der bevorzugte Test zur Überwachung der Virussuppression ist, ist die CD4-Zahl ein nützlicher Ersatzmarker, da sich eine fehlgeschlagene Virussuppression in einem Absinken der CD4-Zahl niederschlägt.

 

 

Literatur

1.    Guidelines for managing advanced HIV disease and rapid initiation of antiretroviral therapy. Geneva: World Health Organization; July 2017.
2.    What's new in treatment monitoring: viral load and CD4 testing. Geneva: World Health Organization; July 2017
3.    Waiting isn't an option: preventing and surviving advanced HIV. Medecins Sans Frontiers; July 2017

Scientific Kalender 2018

Unser Glossar

Unsere Liste mit wissenschaftlichen Begriffen

Entdecken Sie das Glossar
Growing your knowledge
Besuchen Sie unsere Akademie
Erweitern Sie Ihr Wissen
Unser Media Center
Alle
  • Alle
  • Dokumente
  • Podcast
  • Bilder
  • Videos
Zur Übersicht
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Zur Übersicht https://www.sysmex.at/akademie/bibliothek/publikationen.html
Bleiben Sie auf dem Laufenden http://www.mysysmex.com/?id=5206&L=3
Zur Übersicht https://www.sysmex.at/akademie/bibliothek/publikationen.html
Erweitern Sie Ihr Wissen https://www.sysmex.at/akademie/bibliothek/seed.html
Erfahren Sie mehr über das Konzept https://www.sysmex.at/unternehmen/ueber-sysmex/silent-design.html
Sysmex XN – TAILORING YOUR HAEMATOLOGY Entdecken Sie die Skalierbarkeit https://www.sysmex.at/media-center/xn-tailoring-your-haematology-11739.html
Einblick in die Möglichkeiten https://www.sysmex.at/media-center/xp-300-haematology-analyzer-11740.html